Metallbauer, Meister und bald Student – mit 21 Jahren. Tim aus dem hessischen Oberursel weiß genau, was er will. Er bildet sich gerne weiter, arbeitet fleißig im Betrieb von Papa Dirk mit und wird die Metallmanufaktur einmal übernehmen.

Im Oktober startet Tim sein Architekturstudium. Nicht, weil er später als Architekt arbeiten möchte, sondern weil er die Zusammenarbeit der verschiedenen Gewerke verstehen will: „Ich wäre gerne mal der Erste auf der Baustelle und schon im Vorfeld bei der Planung dabei. Nicht nur der, der am Ende einen Handlauf anbringt“, erklärt Tim. Sein Herz schlägt aber für Metall, das spürt man schnell. So ganz selbstverständlich war der Weg in den Metallbau trotzdem nicht, obwohl er von Kindesbeinen an in den Betrieb seines Vaters hineingewachsen ist. Als Jugendlicher stand Koch ganz oben auf der Berufswunschliste. Sein FOS-Jahrespraktikum hatte er in der Werbetechnik absolviert. Letztlich war es dann aber der kreative Aspekt der Metallgestaltung, der ihn immer wieder in den Betrieb des Vaters zurückgebracht hat. Auch heute ist er in den Ferien, an den Wochenenden oder wann immer er sonst Zeit hat, im Betrieb und unterstützt das Team in der Werkstatt. Er erledigt aber auch die Vorarbeit und fertigt CAD-Zeichnungen an oder übernimmt den kreativen Planungsprozess im Vorfeld. „Darin gehe ich auf. Das Kreative ist wirklich meins“, erzählt Tim begeistert.

Alles andere als alltäglich

Seine Kreativität kann Tim in vielen Bereichen ausleben. Der Betrieb ist in der Region bekannt für besondere, sehr individuelle Projekte. Tim hatte im letzten Jahr eine Taufschale aus Messing für eine Kirche in der Region entworfen und dann auch hergestellt. „Solche Aufträge sind schon etwas ganz Besonderes.“ Auch ein historischer Brunnen in der Nachbarstadt hat dank Tim und seinen Kollegen ein neues Geländer bekommen – mit Techniken und Materialien, die heute nur noch wenige Betriebe verwenden. Für seine Kunden macht das Team der Metallmanufaktur alles: Da werden Griffe an Topfdeckel geschweißt oder Bauteile an Fahrzeuge. Die Kunden schätzen das sehr. Tim ist überzeugt von dieser Art der Kundenbeziehung: „Wenn der Kunde nächsten Sommer ein neues Tor braucht, ruft er bei uns an.“ Viele potenzielle Kunden werden auch vom Instagram-Account des Betriebes inspiriert. Die Beiträge dort stellt Tims Vater Dirk online. „Es macht ihm richtig Spaß. Mein Vater fährt nicht mehr mit Katalogen zu den Kunden, sondern packt sein Handy aus.“

Zukunftsorientierter Betrieb

Neben Tim gehören noch 15 Mitarbeiter und sechs Auszubildende zum Team. Nachwuchssorgen, wie in anderen Betrieben, gibt es hier nicht: „Die Ausbildungsplätze sind vergeben, auch schon die für das nächste Jahr“. Die meisten Azubis kommen über ein Praktikum in die Metallmanufaktur: Praktika zur Berufsorientierung, Jahrespraktikanten von der FOS oder auch Pflichtpraktika von Studenten. „Es gibt kaum eine Woche, in der nicht mindestens ein Praktikant oder eine Praktikantin hier ist.“ Auch wenn jedes Praktikum erst einmal Zeit und Energie kostet, profitiert der Betrieb davon. Junge Leute lernen, was die Arbeit im Metallbau wirklich bedeutet, wie vielseitig sie ist. Auch Tim ist immer wieder aufs Neue fasziniert vom Werkstoff Metall: „Mit einem Klumpen Metall, kann ich grenzenlos arbeiten. Ich kann einen Löffel formen, ihn wieder einschmelzen und von vorne anfangen.“ Möglichkeiten, die ein Holzwürfel nicht bietet.

Wenn Tim das Schmiedefeuer entzündet, entsteht Kunst